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Zwischen Wasser und Wein Friedrich von Malfèr

von Irene Hager und Emma Stuflesser

Auer war in den vergangenen Jahrhunderten geprägt vom Weinbau und von seiner Lage an der Etsch und am Schwarzenbach. Es liegt am nach Westen geneigten Schuttkegel des Schwarzenbaches auf ca. 250 m.ü.M. und ist daher von seiner Exposition und Bodenbeschaffenheit her sehr für den Weinbau geeignet. Die Bäche bescherten der Bevölkerung von Auer nicht nur gelegentliche Überschwemmungskatastrophen, sondern vor allem wertvolles Wasser für die Bewässerung und die Stromerzeugung.

Friedrich von Malfér wurde am 11. Mai 1922 als Sohn von Robert Malfér von Auerheim und Freifrau Hilda Conrad von Eybesfeld geboren.[1] Seine Kindheit verbrachte er in der Südtiroler Zwischenkriegszeit. Mit nur 19 Jahren wurden er zum italienischen Militär eingezogen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er 1952 zum Bürgermeister von Auer gewählt: vier Jahre lang war er der jüngste Bürgermeister Italiens. Ebenso führte er die Weinkellerei Schloss Baumgarten, die er 1946 von seinem Onkel übernommen hatte. Die Kellerei war zu dem Zeitpunkt schon seit 1886 in Familienbesitz.[2] Nachdem sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts kurzzeitig geschlossen worden war, verhalf ihr Friedrich von Malfér zu einem erneuten Aufschwung.

Die zur Kellerei gehörenden Grundstücke waren an verschiedene Bauern verpachtet, die ihre Ernte zur Verarbeitung ablieferten. Damals wurde in Auer hauptsächlich Rotwein angebaut: Vernatsch und Lagrein. Der Blauburgunder, für den das Unterland heute berühmt ist, galt noch als etwas sehr Exotisches. Die Weißweinproduktion beschränkte sich auf Weißburgunder. Eine Trennung nach Sorten war nicht üblich, und so wurden für den allseits beliebten Tischwein hauptsächlich verschiedene Vernatsch-Trauben gemeinsam vergoren und anschließend mit Lagrein angereichert. Der Wein bestand meist zu 90% aus Vernatsch und zu 10% aus Lagrein, wobei letzterer hauptsächlich der Farbe wegen beigegeben wurde. Die Kunden kamen selbst in die Kellerei, wo der Wein im Direktverkauf angeboten wurde – entweder in kleinen Fässern oder in Korbflaschen zu 50 Litern. Ein Teil der Produktion wurde hingegen in 1L-Flaschen abgefüllt, mit Kronkorken verschlossen und an Gastbetriebe und private Kunden geliefert. Auf einem Kleinlastwagen reisten die Weinkisten (Inhalt: 12 Flaschen) bis nach Aldein, Montan und Truden. Auch viele Hotels gehörten zu von Malférs Kundschaft. Für sie waren die sogenannten Hausmarken vorgesehen: Tischwein in ½- oder ¼-Literflaschen, die mit einem individuellen Etikett versehen wurden.

Friedrich von Malfér

Einen kleinen Teil seines Lagreins nutze von Malfér für die Herstellung von Qualitätswein, mit dem er am Wettbewerb der Weinkost teilnahm und sogar zwei Mal Silber gewann. Die Geschichte der Bozner Weinkost reicht bis ins Jahr 1896 zurück, als das gerade neu errichtete Torgglhaus am historischen Obstmarkt erstmals zu einer Weinverkostung einlud. Bald wurde die Veranstaltung als Frühjahrs-Weinmarkt bekannt und entwickelte sich schließlich zur Bozner Weinkost, die heute noch alljährlich stattfindet.[3] Allerdings waren Qualitätsweine im Südtirol der damaligen Zeit noch ein Nischenprodukt. 1976 verkaufte von Malfér die Kellerei an Reinhold Waldthaler, dessen Familie eine der ältesten und damals wichtigsten Weinkellereien von Auer betrieb. Waldthaler baute die Räumlichkeiten aus und eröffnete das Lokal „Kellerstuben Schloss Baumgarten“. Doch die lokale Weinwirtschaft wurde in den 1980er-Jahren von einem europaweiten Skandal erschüttert, als sich herausstellte, dass wichtige Kellereien in Österreich und Italien ihre Produkte regelmäßig mit Zusatzstoffen „anreicherten“. Die Weine wurden mit unlauteren und sogar gesundheitsgefährdenden Substanzen vermengt, die eigentlich bei der Herstellung von Frostschutzmitteln oder Putzalkohol verwendet werden. Sogar mehrere Todesfälle sind auf die gepantschten Weine zurückzuführen.[4] Der Skandal traf den gesamten Sektor, und zwang vor allem die kleineren Kellereien in die Knie, obwohl diese meist unbeteiligt waren. 1992 ging das Schloss Baumgarten mitsamt der Kellerei an die Autonome Provinz über, die dort die Oberschule für Landwirtschaft einrichtete.[5]

Nachdem er die Weinproduktion aufgegeben hatte, widmete sich von Malfér seinen landwirtschaftlichen Gütern. Er nahm weiterhin aktiv am öffentlichen Leben von Auer teil, unter anderem im Gemeinderat und in zahlreichen Vereinen. So war er Mitglied des Verschönerungsvereins und des Bonifizierungskonsortiums „Eisackmündung-Gmund“, das schon zu k.u.k Zeiten zur Regulierung der Etsch und Instandhaltung der Wasserschutzbauten gegründet worden war – wenn auch unter einem anderen Namen.[6] Zusätzlich engagierte er sich im Bewässerungskonsortium, dessen erster Präsident Friedrichs Vater gewesen war. Darüber hinaus war von Malfér Senior auch Mitbegründer des Aurer Elektrizitätswerks gewesen.

Das Werk war schon 1902 gegründet worden, womit Auer und die umliegenden Dörfer zu den ersten Gemeinden gehörten, die hierzulande Zugang zu Strom hatten.

Die Vorteile dieser Errungenschaft waren aber noch nicht allen klar, denn sogar Friedrichs Vater ließ bei sich zu Hause nur im Treppenaufgang elektrisches Licht installieren – in den Wohnräumen schien es ihm unnötig. 1954 wurde das Elektrizitätswerk stillgelegt, doch sollte es einige Jahre später – zwischen 1970-71 – seine Tätigkeit erneut aufnehmen, und zwar als Beregnungsanlage für die Landwirtschaft.

Unter all diesen Betätigungsfeldern, lag von Malfèr eines besonders am Herzen: Der Kindergarten. Nach dem Krieg wurde im bis dato ausschließlich italienischen Dorfkindergarten eine deutschsprachige Sektion eingeführt. Da dort aber hauptsächlich italienischsprachige Betreuerinnen tätig waren, und das Gebäude mittlerweile sowieso viel zu klein war, wurde 1964 der „Deutsche Kindergartenverein Auer“ gegründet. Von Malfér war dessen erster Präsident. Das Kindergartenwesen war in Südtirol lange Zeit ein „bildungspolitisches Sorgenkind“[7]: die Landesregierung hatte zwar die Kompetenzen für diesen Bereich inne, richtig aktiv konnte sie dennoch nicht werden. Deshalb wurden vielerorts Genossenschaften und Vereine gegründet, um die Angelegenheit durch private Initiativen zu beschleunigen.[8] In Auer wurde der neue Kindergarten bereits 1967 eingeweiht, auch mithilfe eines großzügigen Beitrags seitens der Landesregierung. Spenden waren auch vom Münchner „Kulturwerk für Südtirol“ und von weiteren Gönnern aus Österreich eingegangen.

Friedrich von Malfér starb 1991. Manche Menschen haben besonders sichtbare Spuren in der Aurer Geschichte hinterlassen. Friedrich von Malfèr gehört sicherlich dazu.

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Fußnoten

[1] https://www.geni.com/people/Friedrich-Malf%C3%A8r-von-Auerheim/6000000068515247854 [01.12.2021].

[2] Helmut Zelger, Auer im Südtiroler Unterland, Verschönerungsverein Auer, Auer 2006, 78.

[3] https://www.suedtirolerland.it/de/freizeit-aktiv/top-events-in-suedtirol/bozner-weinkost/ [02.12.2021].

[4] Walter Brüders, Der Weinskandal. Das Ende einer unseligen Wirtschaftsentwicklung, Denkmayr, Linz 1999.

[5] https://atlas.arch.bz.it/de/oberschule-fr-landwirtschaft-ansitz-baumgarten/ [01.12.2021].

[6] Kurt Werth, Geschichte der Etsch zwischen Meran und San Michele. Flussregulierung – Trockenlegung der Möser – Hochwasser, Tappeiner Verlag, Lana 2003, 210.

[7] Gottfried Solderer, Südtirol im 20. Jahrhundert, vol. 4, Edition Raetia, Bozen 2002, 212.

[8] Ibidem.

Bibliografie

Brüders, Walter, Der Weinskandal. Das Ende einer unseligen Wirtschaftsentwicklung, Denkmayr, Linz 1999.

Lona, Heinrich, Auer im Südtiroler Unterland, Verkehrsverein Auer, Auer 1977.

Solderer, Gottfried, Südtirol im 20. Jahrhundert, vol. 4, Edition Raetia, Bozen 2002.

Taschler, Herbert, Südtiroler Wein- und Kellerei-Geschichten. Von der Weinschwemme zur Qualitätsoffensive: 41 Kellermeister und Weinpioniere erzählen, Athesia Verlag, Bozen 2017.

Werth, Kurt, Geschichte der Etsch zwischen Meran und San Michele. Flussregulierung – Trockenlegung der Möser – Hochwasser, Tappeiner Verlag, Lana 2003.

Zelger, Helmut, Auer im Südtiroler Unterland, Verschönerungsverein Auer, Auer 2006.

https://www.bioweinportal.de/weinwissen/weingeschichte/weingeschichte-teil-2-ab-1900/

Geschichte

https://atlas.arch.bz.it/de/oberschule-fr-landwirtschaft-ansitz-baumgarten/

https://www.geni.com/people/Friedrich-Malf%C3%A8r-von-Auerheim/6000000068515247854

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