Das am 22. und 23. März 2026 anstehende Verfassungsreferendum ist ein entscheidender Wendepunkt für das italienische Justizsystem. Da die Reform im Parlament nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht hat, liegt die endgültige Entscheidung nun gemäß Art. 138 der italienischen Verfassung beim Volk.
Hier ist eine strukturierte Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und der gegensätzlichen Positionen, wie sie in der Debatte des Sole 24 Ore zwischen den Experten Enrico Grosso und Nicolò Zanon dargelegt wurden.
Kernpunkte der Reform
Die Reform sieht tiefgreifende Änderungen an mehreren Artikeln der Verfassung vor (u. a. Art. 87, 104 und 105). Die drei Säulen sind:
Das Duell: Argumente für Ja und Nein
Die Positionen von Nicolò Zanon (Pro Reform) und Enrico Grosso (Contra Reform) fassen den Kern der juristischen Debatte zusammen:
| Thema | Argumente für JA (Pro-Reform) | Argumente für NEIN (Gegen-Reform) |
| Laufbahntrennung | Garantiert die „Waffengleichheit“ zwischen Anklage und Verteidigung vor einem wirklich unparteiischen Richter. | Befürchtet eine Abkopplung der Staatsanwaltschaft von der Rechtsprechungskultur hin zu einer „Super-Polizei“. |
| Getrennte Justizräte | Verhindert Korpsgeist und stellt sicher, dass jedes Gremium spezifisch auf die Bedürfnisse der jeweiligen Rolle eingeht. | Wird als Schwächung der allgemeinen Selbstverwaltung der Justiz gesehen, was die Unabhängigkeit gefährden könnte. |
| Disziplinarhof | Stellt sicher, dass Richter durch ein externes Organ beurteilt werden, das nicht von internen Strömungen beeinflusst ist. | Könnte als „Sondergericht“ fungieren und die Verteidigungsrechte der betroffenen Magistrate einschränken. |
Praktische Informationen zur Wahl
Hintergrund: Während Befürworter eine Annäherung an westliche Demokratien sehen, warnt die Nationale Richtervereinigung (ANM) vor einer indirekten Kontrolle der Politik über die Staatsanwaltschaft.