Buchtipp für Eilige – Die Madonnina

In einem Bergdorf in den italienischen Alpen lebt Severina. Seit ihr Mann sie für eine Touristin verlassen hat, ist sie mit ihrer Schwiegermutter ganzjährig in die Almhütte gezogen und hat zu sprechen aufgehört. Doch nun kehrt Massimo zurück. Während seines Aufstiegs zur Hütte lässt sie ihr Leben mit ihm und die vergangenen Monate ohne ihn Revue passieren und bereitet sich auf diese Begegnung vor, an die sie zuletzt schon nicht mehr geglaubt hatte. Soll sie, darf sie, kann sie es noch einmal mit ihm versuchen?
Dieser kleine Roman zeigt in der Enge des bäuerlichen Trotts das Spektrum des Lebens: Ehe und Verrat, Eifersucht und Verlust, Schweigen und Tratsch potenzieren sich in einem kleinen Dorf, in dem jeder von jedem alles weiß und jede Veränderung argwöhnisch (und teilweise schadenfroh) beäugt wird. Dass das Leben oft anders läuft als gedacht, darauf weist schon der Titel hin; die Madonnina an der Spitze des Doms von Mailand, die man bei gutem Wetter vom Gipfel des Hausbergs sieht, ist gewissermaßen Symbol für das sehnsüchtig betrachtete Unerreichbare, das aus der Nähe betrachtet bald seinen Reiz verliert, für die Lockungen der Stadt. Die Puzzleteile aus verschiedenen Perspektiven und Zeitabschnitten bilden ein immer vollständigeres Bild von Severina und Massimo, von ihren Sehnsüchten, Hoffnungen und Erinnerungen. Eine Geschichte über eine Liebe, gewiss – aber eben auch über das Leben, darüber, wie es weitergeht, wenn Undenkbares passiert. Sehr empfehlenswert!

SO
07.03.21
/ 16°
MO
08.03.21
-8° / 16°
DI
09.03.21
-8° / 16°